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Bizarrer Rechtsstreit um falsches Facebook-Profil von Dackel "Antonia"

Herford.  Ein Streit um ein unerlaubt angelegtes Facebook-Profil für einen Hund ist in Ostwestfalen vor Gericht gelandet. Unbekannte plaudern im Namen von Dackel "Antonia", der Besitzer sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Ein Gericht ordnete die Löschung des Profils an. Doch es geschah: nichts.
Dass Besitzer für ihre Haustiere einen eigenen Facebook-Account erstellen, ist nichts Ungewöhnliches. Auch Dackel-Dame "Antonia" hat seit April 2012 ein eigenes Profil. Dort hält sie unregelmäßig 126 Facebook-Freunde über ihr Leben bei Familie S. aus Herford auf dem Laufenden. "Erstmal auf dem Sofa liegen" heißt es da beispielsweise.
Antonias Herrchen Robin findet das aber gar nicht lustig. Er selbst habe das Profil nämlich nicht angelegt, sagt er: "Ich vermute alte Schulkollegen hinter diesem dummen Scherz, weiß aber auch nicht, warum die das gemacht haben." Besonders störe ihn, dass auf dem falschen Profil der Familienname verwendet werde und für jeden sichtbar sei. Zudem hätten die Unbekannten Bilder von "Antonia" unerlaubt für Fotomontagen benutzt und veröffentlicht, erzählt der 21-Jährige.
Facebook auf Löschung des Profils verklagt
Weil er zu den alten Schulfreunden keinen Kontakt mehr haben wolle und nicht beweisen könne, wer hinter "Antonias" Internetauftritt steckt, klagte Robin S. stattdessen gegen Facebook auf Löschung des Profils. "Facebook Deutschland hat uns mitgeteilt, man sei nicht zuständig, und nicht mehr reagiert" sagt Stefan Kruse, Anwalt von Robin S. Vor dem Amtsgericht Herford erging Ende Juli 2013 dennoch ein Urteil, in dem die Löschung des Profils angeordnet wurde.
Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig, das Profil ist aber immer noch online. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der IP-Adresse des Verantwortlichen wurden wegen zu hohen Aufwands eingestellt. Robin S. und sein Anwalt suchten die Öffentlichkeit und brachten den Fall in die lokalen Medien.
Medieninteresse bringt Bewegung in den Fall
Durch das gesteigerte öffentliche Interesse habe sich inzwischen etwas bewegt, sagt Jurist Kruse: "Wir hatten in dieser Woche erstmals Kontakt zu einem Anwalt von Facebook Germany, der zugesagt hat, den Fall an Facebooks europäischen Sitz in Irland weiterzuleiten."
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Sollte das Profil bald gelöscht werden, sei die Angelegenheit für Robin S. erledigt, sagt Kruse: "Wenn sich nichts tut, werden wir ab der nächsten Woche eventuell weitere rechtliche Schritte einleiten, um die Löschung durchzusetzen und doch noch an die IP-Adresse der Verursache zu kommen." Da diese Maßnahme den rechtlichen Umweg über Irland nehmen müsse, könne es allerdings dauern, bis das Wirkung zeige.
Vorübergehend tauchte ein zweites Profil auf
Die Unbekannten hatten Ende August vorübergehend sogar eine weitere Facebook-Seite erstellt. Freunde von "Antonias" falschem Profil wurden aufgefordert, die Seite "Dinge, die ein Robin S. sagt" zu liken. "Nach ein, zwei Wochen wurde das aber wieder gelöscht", berichtet der 21-Jährige. Ob vom Ersteller der Seite oder von Facebook, weiß er nicht. Der letzte Beitrag von "Antonia" sei Ende September veröffentlicht worden, seitdem herrsche Ruhe.
"Falls keine neuen Profile mehr auftauchen und das alte gelöscht wird, ist die Angelegenheit für mich erledigt", sagt Robin S. Von Facebook hätte er sich aber mehr Kooperationsbereitschaft gewünscht: "Es ist schade, dass man sich in Sozialen Netzwerken so leicht auf Kosten anderer amüsieren kann und einfach so davonkommt."
Christoph Husemeyer
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